Baden-Württemberg

Projektregion Baden-Württemberg

Mit den Städten Karlsruhe und Pforzheim gehen im Heimat-Bundesland von Fahrrad und Automobil zwei Kommunen an den Start, die sehr unterschiedliche Voraussetzungen und Fragestellungen in das Netzwerk einbringen: Fahrradstadt trifft Autostadt, flach trifft hügelig, die „Stadt der kurzen Wege“ trifft auf das „Lebensgefühl auto-mobil“. Bei genauerem Hinschauen verbirgt sich jedoch jedes dieser Gegensatzpaare in den aktuellen Handlungsfeldern beider Städte – als alltägliche Herausforderung auf dem Weg hin zu integrierten Mobilitätskonzepten im Neubau sowie im Bestand.

Die Stadt Karlsruhe

Die amtierende deutsche Fahrradhauptstadt (ADFC-Fahrradklimatest 2018) verfolgt seit 2005 ein Radförderkonzept, welches Fahrradinfrastruktur konsequent fördert und ausbaut. Das hat Karlsruhe die beachtliche Zahl von derzeit 31% Radverkehrsanteil am Gesamtverkehr beschert. Auf die 300.000 Einwohner*innen entfallen zudem ca. 2000 Carsharing-Fahrzeuge, die größte Flotte in Deutschland. Die Förderung des zu Fuß Gehens und der Attraktivität des ÖPNV ist schon seit langer Zeit im sogenannten „Karlsruher Modell“ angelegt – die Bahnen verkehren als sogenannte Zweisystem-Fahrzeuge bis weit in die Region. Nachhaltige Mobilität ermöglicht auch die derzeit im Bau befindliche U-Strab – bis 2023 soll die Ost-West-Verbindung entlang der Innenstadt-Einkaufsmeile oberirdisch bahnfrei sein, einschließlich des Südabzweigs Richtung Hauptbahnhof. Mit der aktuellen Fortschreibung des Radförderkonzepts als 30-Punkte-Plan und dem integrierten Planungsprozess „Öffentlicher Raum und Mobilität Innenstadt“ werden zudem erstmals integrierte Mobilitätskonzepte erarbeitet, bei denen eine Fußverkehr-Policy verstärkt in den Blick genommen wird. Welche Fragen bleiben in so einer Stadt noch offen?

Wie andere baden-württembergische Städte auch nutzt Karlsruhe derzeit zwar bei neuen Bebauungsplänen die Möglichkeit der Prüfung einer Stellplatzreduktion. Eine rechtsverbindliche Stellplatzsatzung, die generelle Ausnahmen von der Stellplatzverordnung der Landesbauordnung ermöglicht, existiert bislang nicht. Welche Rahmenbedingungen braucht es, damit die Wohnungsunternehmen auch im Bestand die Möglichkeit haben, Stellplätze zu reduzieren und intelligente Mobilitätskonzepte umzusetzen? Nicht alle neuen Bebauungsgebiete werden mit kommunalen Wohnungsunternehmen entwickelt – wie lässt sich ein privater Investor davon überzeugen, dass es in Karlsruhe Menschen gibt, die Wohneigentum auch ohne Stellplatz erwerben und alternative Mobilitätsangebote sowie die damit verbundene Lebensqualität zu schätzen wissen? Und schließlich hat Karlsruhe wie viele andere Großstädte seine Flächenreserven in puncto Wohnen nahezu ausgereizt – darum verlangt das Thema Pendlerverkehr zunehmend nach Lösungspragmatismus in der Region, Stichwort Radschnellwege und Mobilitätsapp. Da trifft es sich gut, dass ein Teil des Pendlerverkehrs auch in der Pforzheimer Halbhöhenlage entsteht…

Die Stadt Pforzheim

Die Drei-Flüsse-Stadt gehört zu den berühmten Beispielen eines Wiederaufbaus nach hoher Zerstörungsrate durch einen Luftangriff der Alliierten – nach dem damals aktuellen Leitbild der „gegliederten und aufgelockerten Stadt“. Es war der Karlsruher Stadtplaner und Architekt Ernst Otto Schweizer, der den Pforzheimern damals die Autogerechtigkeit als städtebauliches Primat an die Hand gab – die Achsen dieser Planung prägen Pforzheim bis heute: Die wichtigste Durchgangsstraße vom Schwarzwald in den Enzkreis, die Zerennerstrasse, heisst im Volksmund „Zertrennerstrasse“. Mit gut 120.000 Einwohnern gehört Pforzheim zur prosperierenden Gruppe der Oberzentren Baden-Württembergs, die in starker struktureller Wechselbeziehung zu ihrem ländlichen Umland stehen. Je eine gut 20minütige Zug- und Autofahrt von Stuttgart im Osten und von Karlsruhe im Westen entfernt, gerät die Kommune jedoch zunehmend auf den Radar von bau- und wohnwilligen Großstädtern, welche die Halbhöhenlage mit Blick auf Nagold, Enz und Würm zu schätzen wissen. „Pforzheim leben“ lautet darum auch der Slogan einer gesamtstädtischen Kampagne, die das Wohnen und Arbeiten ins „Leben“ zusammenfasst – auch mit dem Anspruch einer Agenda für urbane Mobilität. In einer Stadt, die in den fünfziger Jahren des letzten Jahrhunderts durchaus selbstbewusst ihre Straßenbahn abgeschafft hat, braucht es dazu Kreativität abseits gängiger Verkehrskonzepte, denn Pforzheim ist topografisch bewegt und E-Mobility ein Umsetzungsziel. Neben viel Aufbruchstimmung und einem bereits gegründeten „Initiativkreis Wohnen“ hat Pforzheim aber auf der Haben-Seite auch eine große Detail- und Stilsicherheit – man spürt die handwerkliche Tradition in den Bauten der Gold- und Schmuckstadt genauso wie das Flair der Hochschule für Gestaltung. Und nicht zuletzt sind es die Leuchtturmprojekte der Baukultur, die sich Pforzheim vorgenommen hat – außergewöhnliche Bauten mit innovativen Gesamtkonzepten – man möchte an der eigenen Best Practice wachsen und Exempel statuieren. Das, so ist die Stadtverwaltung überzeugt, schafft mittel- und langfristig auch den Erfahrungsraum, der ein Umdenken in Richtung nachhaltige Mobilität in alle Bevölkerungsgruppen hinein kommunizieren kann.

Weitere Projektpartner

Aus den Bedürfnissen und Handlungsfeldern der Wohnungsunternehmen und der Kommunen leiten wir passgenau weitere Projektpartner ab, die zusammen mit uns in Richtung der Akteure am Wohnungsmarkt und der Mobilitätsdienstleister beraten werden. Wir streben an, sowohl Experten zu Förderprogrammen auf Landesebene ins Netzwerk einzubinden, als auch die universitäre und die angewandte Forschung punktuell in die Arbeitsprozesse einzubinden.

Unser Angebot

In den beiden Standortkommunen werden jeweils fünf Netzwerktreffen angeboten, in denen wir die Umsetzung nachhaltiger Mobilitätsangebote auf den Weg bringen wollen. Hierbei möchten wir gemeinsam mit kommunalen Vertreter*innen, Wohnungsunternehmen und -genossenschaften, Mobilitätsdienstleistern sowie Fachexpert*innen realistische Ziele entwickeln und diese innerhalb der Projektlaufzeit in Angriff nehmen und umsetzen.

Unterstützt werden diese Facharbeitskreise von drei regionalen Fachforen mit inhaltlichen Schwerpunkten, welche den Teilnehmer*innen der Netzwerktreffen, aber auch der interessierten Fachöffentlichkeit in Baden-Württemberg angeboten werden.

Für Wohnungsunternehmen, -verbände und -genossenschaften aus den Netzwerken und aus ganz Baden-Württemberg bieten wir zudem eine Reihe von Beratungsveranstaltungen an, welche wir ebenfalls jeweils auf einen inhaltlichen Aspekt der Wohnortmobilität ausrichten wollen. Auch Einzelberatungen bieten wir den Vertreter*innen der Wohnungswirtschaft gerne an.

Termine

Nächste Fachveranstaltung

Wie in unserem Vorgängerprojekt »Wohnen leitet Mobilität« wird es auch in Zukunft sog. Fachforen zu unterschiedlichen Themen aus dem Bereich »Nachhaltige Mobilität im Quartier« geben. Die Termine dazu finden Sie demnächst auf dieser Seite.

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Angelika Jäkel

Regionalkoordinatorin Baden-Württemberg

Fon 0163/255 18 70

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