Baden-Württemberg

Freiburg Vauban

Der Kern des Verkehrskonzeptes in Freiburg-Vauban ist die Reduktion des Autoverkehrs und der Stellplätze auf öffentlichen Straßen und die Nutzung der Straßen für Spiel und Begegnung.

Ein Stadtteil mit wenig Autos und viel Leben

Mit unter 200 Pkw pro 1.000 Einwohner*innen weist der Stadtteil Vauban eine deutlich geringere Dichte an Autos als benachbarte Quartiere in Freiburg oder den meisten anderen Regionen in Deutschland auf. Aber nicht nur die Dichte an Autos ist geringer: Große Teile Vaubans sind auch verkehrsberuhigt. Die restlichen Straßen sind als Tempo-30-Zone ausgewiesen.

Innerhalb der Wohnstraßen in Vauban existieren keine öffentlichen oder nichtöffentlichen Parkplätze. Lediglich in den Erschließungsstraßen gibt es gebührenpflichtige Pkw-Stellplätze. Für Autonutzer*innen bestehen in Vauban u. a. zwei Quartiersgaragen am Siedlungsrand, die zum Abstellen von Autos genutzt werden können (Kosten für einen Garagenstellplatz: 23.000–25.000 Euro).

Wohnungseigentümer*innen müssen in Vauban pro Wohnung einen Stellplatz nachweisen. Dies ist zum einen durch den Kauf eines Stellplatzes in einer der Quartiersgaragen möglich oder in bestimmten Bereichen durch den Bau von privaten Stellplätzen. Darüber hinaus gibt es für Bewohner*innen, die nachweislich nicht regelmäßig mit dem Auto unterwegs sind, die Möglichkeit, Stellplätze durch einen Vertrag mit dem Verein für autofreies Wohnen nachzuweisen. Dieser hat eine Fläche erworben, auf der bei wieder auflebendem Bedarf Stellplätze gebaut werden könnten, eine sogenannte “Vorhaltefläche”. Dafür zahlen Eigentümer*innen 3.700 Euro an den Verein.

In der Satzung des Vereins heißt es dazu:

»Zur Verwirklichung des Satzungszweckes [Anm.: Verwirklichung des autofreien Wohnens in Vauban] kann der Verein insbesondere folgende Maßnahmen ergreifen:

a) Erwerb von Grundstücken, die als Vorhaltefläche für eventuell notwendigen Parkraum dienen. Erstrangiges Ziel ist es, diese Grundstücke als Grünfläche/ Naherholungsgebiet zu pflegen und eine Parkraumnutzung zu verhindern.

b) Der Verein übernimmt in Zusammenarbeit mit der Stadt die Kontrolle der Einhaltung der Autofrei-Erklärung der Vertragspartner, die sich gegenüber dem Verein zu einem autofreien Wohnen verpflichtet haben, damit die Aussetzung der Stellplatzpflicht von Seiten der Stadt Freiburg weiterhin gewährleistet bleibt.«

Guter öffentlicher Verkehr und Carsharing erleichtern ein autofreies Leben

Mit der Straßenbahn können die Bewohner*innen des Stadtteils Vauban den Hauptbahnhof in Freiburg innerhalb von 15 bis 20 Minuten erreichen. Ein Haltepunkt für die regionale S-Bahn ist in Planung.

Carsharing ist in Vauban relativ populär: Mehr als ein Drittel der Haushalte nutzt regelmäßig Carsharing-Angebote. Im Stadtteil stehen ungefähr 30 solcher Fahrzeuge von zwei Anbietern bereit.

Funktionale Durchmischung: Stadtteil der kurzen Wege

Vauban zeichnet sich durch eine sehr hohe funktionale Durchmischung im Quartier aus: Lebensmittelgeschäfte, Nahversorgungseinrichtungen, Wohn-, Arbeits- und Kitaplätze liegen dicht beieinander. Das hat positive Auswirkungen auf die Mobilität in Vauban und ermöglicht eine Versorgung ohne eigenes Auto.

Interview mit Hannes Linck (Geschäftsführer, Verein für autofreies Wohnen e.V.)

Wie ist die Idee eines Vereins für autofreies Wohnen entstanden? Wie groß war der Verein am Anfang?
Die Idee für das autofreie Wohnen ist schon vor der Planung für den Stadtteil Vauban in einem Umfeld von VCD und CarSharing-Verein entstanden. Die Idee sollte zunächst in einem anderen Quartier verwirklicht werden. Als hier die Stadt nicht mitspielte, haben sich die Aktiven schließlich für unseren Stadtteil mit der Idee durchgesetzt. Im Laufe der Konzept-Diskussionen wurde dann die Idee entwickelt, dass ein Verein eine Rolle als “Verwaltungshelfer” zwischen den Bewohner*innen und der Stadtverwaltung einnehmen sollte. Manche finden das nicht gut, da es sich eigentlich um Aufgaben der Stadt handelt. Ich bin anderer Meinung, denn die Stadtverwaltung konnte sich nur sehr schwer mit der Idee anfreunden und würde sich sicher in keiner Weise so intensiv um das Konzept kümmern wie wir Leute vor Ort. Der Verein wurde dann Anfang 1998 gegründet mit ca. 15 Mitgliedern. Heute hat er 35 Mitglieder, aber - was wichtiger ist - Verträge mit Eigentümer*innen von 410 Wohnungen im Stadtteil.

Welche Ziele verfolgt der Verein für autofreies Wohnen e.V. und wie will er diese erreichen?
Der Verein hat seine Ziele weitgehend erreicht, denn das Konzept des autofreien Wohnen existiert ja bereits seit bald 20 Jahren und funktioniert, wenn man auch mit 10-15 Prozent Haushalten rechnen muss, die gar nicht autofrei sind, aber sich so die Kosten für einen Stellplatz gespart haben. Ein wichtiges Ziel war und ist, die Idee auch in anderen Stadtteilen von Freiburg umzusetzen. Aber die Führung der »Green City« leistet hinhaltend Widerstand.

Welche Partner hat der Verein in Vauban/Freiburg?
VCD, Stadtteilverein Vauban, CarSharing-Organisationen, ADFC.

Was glauben Sie, wie wird sich der Verein und das autoreduzierte/-freie Wohnen in Freiburg-Vauban weiter entwickeln?
Wir hoffen, dass sich der Trend zu mehr Autonutzung auch im Vauban wieder drehen lässt. Denn leider gibt es heute ca. 25 autofreie Wohnungen weniger als zur Hochzeit 2010. Wir versuchen dem auch durch die Einrichtung eines Stellplatz-Pools entgegenzuwirken, der mehr Flexibilität beim Wechsel zwischen beiden Stati bringen soll.

Funktioniert das Konzept des autoreduzierten/-freien Wohnens in jedem Quartier? Was ist notwendig, damit das Konzept Aussicht auf Erfolg hat?
Es kann in vielen Stadtteilen funktionieren, wenn die Voraussetzungen stimmen. Denn in den größeren Städten leben gut 30 Prozent der Haushalte ohne eigenes Auto. Die sollten, wie im Vauban, von den Parkierungskosten befreit werden. Voraussetzungen sind zunächst die Bereitschaft von Politik und Verwaltung neue Wege zu gehen und gegen die vorzugehen (Bußgelder verhängen), die das Konzept missbrauchen. Das funktioniert in Freiburg noch nicht gut (siehe oben). Dann muss geschaut werden, wo Platz für Quartiersgaragen ist und in den Straßen müssen die Auto-Parkplätze aufgehoben werden, außer für Behinderte, Lieferdienste, etc. Am besten wäre eine bundeseinheitliche Regelung, die nicht für jede Wohnung einen oder mehrere Stellplätze vorschreibt, sondern jede*n Autobesitzer*in zum Nachweis eines Stellplatzes pro Auto verpflichtet.

Was können die Wohnungswirtschaft und politische Entscheidungsträger aus Ihrer Sicht tun, um CO2-freie Mobilität und autofreie Wohnquartiere zu fördern?
Sie müssten endlich die “Auto-Hörigkeit” aufgeben und sich trauen, entsprechend der allgemeinen Erkenntnislage und mithilfe von Konzepten wie dem unseren zu handeln.