Schweiz

Giesserei in Winterthur

Am Rande der Stadt Winterthur, welche unweit des Bodensees im Norden der Schweiz liegt, befindet sich die Wohnsiedlung »Giesserei Winterthur«. Die Häuser in der Wohnsiedlung sind selbstverwaltet: Alle Bewohner*innen bringen sich 30 Stunden pro Jahr unter anderem bei Administration, Reinigung und sozialen Aktivitäten ein.

Selbstverwaltetes, nachhaltig mobiles Mehrgenerationenwohnen in der Nordschweiz

Gestartet ist das Projekt »Giesserei Winterthur« im Jahr 2007. In diesem Jahr haben sich Einzelpersonen zu einer Planungsgruppe zusammengefunden und sich später der Genossenschaft für selbstverwaltetes Wohnen (Gesewo) angeschlossen. Danach wurde ein Grundstück gekauft und eine Baukommission aus Vertreter*innen der Gesewo, des Hausvereins und Fachpersonen gegründet.

Intelligent mobil ohne Autos

Nur jeder fünfte Haushalt in der Wohnsiedlung verfügt hier über ein Auto (Schweizer Durchschnitt ist mehr als ein Auto pro Wohneinheit). Die Bewohner*innen des Mehrgenerationenprojekts nutzen stattdessen den öffentlichen Nahverkehr, Carsharing (ein Carsharing-Auto von Mobility in der Siedlung und nachbarschaftliches Carsharing) oder Fahrräder (480 Fahrradabstellplätze, davon 390 überdacht). Jedes Treppenhaus verfügt darüber hinaus über einen Mobilitätsraum, in dem bspw. Anhänger untergestellt werden können.

Wie auch bei anderen Good Practice-Beispielen ist auch bei der »Giesserei Winterthur« die Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr vorbildlich: Zwei S-Bahnstationen und vier Buslinien erreichen die Bewohner*innen der Giesserei fußläufig unter 10 Minuten. Eine Tafel mit den Abfahrtszeiten der öffentlichen Verkehrsmittel finden die Bewohner*innen u. a. auf der Webseite der Giesserei.

Zudem wurden auf Initiative der Giesserei die angrenzenden Straßen zur Siedlung 2015 zu Tempo 20-/Begegnungs-Zonen umgestaltet.

Reduktion des Autoverkehrs

In den Mietverträgen ist genau geregelt, wann Bewohner*innen der Giesserei Autos in den Garagen abstellen können. So ist dies nur gestattet, wenn Autonutzer*innen beruflich auf ihr Auto angewiesen oder in ihrer Mobilität eingeschränkt sind. Viele Haushalte, die mit ihrem Auto in die Giesserei gezogen sind, haben dieses inzwischen abgeschafft.

Durchmischtes Quartier

Dadurch, dass die Wohnsiedlung funktional durchmischt ist, also alle Orte des täglichen Bedarfs sich nah bei der oder in der Siedlung befinden, sind auch die notwendigen Wege für die Bewohner*innen sehr kurz. Das macht Verkehrsmittel wie das Auto überflüssig.

Einkaufsmöglichkeiten (u. a. ein Wochenmarkt), eine Bibliothek, ein Restaurant, Kunstgalerien, ein Musikzentrum, Schulen und Kindergärten befinden sich in direkter Nachbarschaft zur bzw. in der Siedlung. Auch die Wohnhäuser selbst beherbergen diverse Gemeinschaftsräume/-küchen, einen Saal mit Konzertbestuhlung und auch eine Holz-, Metall- und eine allgemeine Werkstatt.