Österreich

21. Jahrhundert im 21. Bezirk

Nördlich der Wiener Innenstadt und der Donau liegt die autofreie Mustersiedlung Wien Floridsdorf. Schon 1992 wurde auf eine Initiative der österreichischen Grünen in der Stadtverwaltung Wien der Beschluss gefasst, im Rahmen eines Pilotprojektes eine autofreie Mustersiedlung zu bauen.

Der Weg zur Autofreiheit

Laut Wiener Garagengesetz ist für jede Wohnung auch ein Stellplatz vorgesehen. Nach einer Regeländerung durch den Wiener Landtag war es ab September 1996 jedoch möglich, die Anzahl vorgeschriebener Pkw-Stellplätze um bis zu 90 Prozent zu reduzieren. Diese Regelung hat die Mustersiedlung genutzt und die notwendigen 10 Prozent der Pkw-Stellplätze (insgesamt 25 Parkplätze) in einer Tiefgarage untergebracht. Gleichzeitig muss die jeweilige Wohnsiedlung durch den öffentlichen Nahverkehr besonders gut erschlossen sein (weniger als 300 Meter Entfernung zur nächsten ÖPNV-Station).

Die so gewonnene Autofreiheit macht das Wohnen für die Bewohner*innen nicht nur angenehmer, sondern auch günstiger, da die Kosten zur Errichtung von Pkw-Stellplätzen (ca. 1,5 Millionen Euro) wegfielen. Dadurch war zudem die Errichtung vieler Gemeinschafts- und Veranstaltungsräume, zum Beispiel einer Fahrradwerkstatt und eine ansprechende Freiraumgestaltung in der Wohnsiedlung möglich.

Auch 20 Jahre später wird Autofreiheit in der Siedlung gelebt, beispielsweise durch Initiativen wie das „autofreie Kino“.

Intelligent mobile Infrastruktur

Im Wohnquartier gibt es 600 Fahrradabstellplätze. Diese sind auch notwendig, denn hier besitzen 95 Prozent der Bewohner*innen ein Fahrrad.

Von der autofreien Mustersiedlung am Stadtrand kommen die Siedlungsbewohner*innen aber auch mit dem ÖPNV in ungefähr einer halben Stunde zum Wiener Hauptbahnhof. Eine Tram-Station befindet sich direkt neben der Wohnsiedlung. Hier fahren die Straßenbahnen in der Hauptverkehrszeit ungefähr alle drei Minuten innerhalb von ca. fünf Minuten zum U-Bahnhof Floridsdorf.

Ein siedlungsinternes Lager für Lebensmittel reduziert die Anzahl zurückzulegender Strecken der Bewohnenden bzw. den Lieferverkehr, da die Lebensmittel-Lieferdienste ihre Waren gesammelt an diesem Ort abgeben können.